Ausstellungsfotos:

Mathias Braun


Ausstellung vundelinc von Haru Neidhardt, Ffm, im Aussellungsraum Ralf Becker, Balduinstr. 35, Ffm Oberrad, 31. 10. bis 28. 11. 2025

 

 

 

Wer sucht, der findet.  Wer genug hat, sucht nicht weiter, findet aber vielleicht noch mehr. Wer zuviel hat, will Güter loswerden.

 

Der Kreis schließt sich. Man steht drinnen oder weit ab davon.

 

Es geht ja nicht vorrangig um das Haben. Ein Kilo Steine, ein Kilo Gold — die Gewichtung findet woanders statt.

 

Die Wertebestimmung hier und heute wächst auf dem Boden des Kapitals, somit aus dem Primat des Profits und der Wertschöpfung. Ideelle Wertvorstellungen müssen sich hinten anstellen .

 

Dies heißt nicht, dass non-pecuniäre Werte irrelevant seien, ebensowenig, wie

 

wertekonservative Orientierung einerseits und die Absicht der Zerschlagung bestehender Systeme andererseits Todfeinde sein müssen; es sind Bereiche denkbar, die von beiden Lagern in Anspruch genommen werden können — wahrscheinlich  mit inhaltlich anderen Gewichtungen.

 

 

 

Betrachten wir an dieser Stelle den aufschlussreichen Umgang der städtischen Bevölkerung

 

mit Objekten, die in privaten Haushalten aufbewahrt werden.

 

Wie entledigt man sich der Dinge, die man nicht mehr haben will? Mülleimer und Sperrmüllabfuhr stehen bereit, problemlos lassen sich Gegenstände entsorgen, wenn einer es erst einmal geschafft hat, sich auch innerlich von Objekten zu trennen, die sich mit Tentakeln aus Freundschaft, Liebe und Familie — oder anderen — aber welchen? an einen geheftet haben.

 

 

 

Wie andere Dinge, werden auch Bücher im Freien ausgesetzt. Sie nehmen eine deutlich erkennbare Sonderstellung ein. Die Gründe hierfür sind es wert,  erörtert zu werden, wird doch hier ein Gegensatz zwischen rational-materialistischem Handeln und einer diesem nicht entsprechenden diffusen Scheu vor zerstörender Preisgabe offenbar.

 

Anstelle eines Textes, der hierzu Stellung nimmt, rege ich Gespräche über das präsentierte Bildmaterial an. Die Fotografien wurden seit 2020 aufgenommen, sporadisch, als Zufallsfunde. Sie werden nicht chronologisch, sondern nach ästhetischen Kriterien ausgerichtet präsentiert.

 

 

 

Der Boden wurde mit Blättern zerlegter gefundener Bücher ausgelegt, zum Teil mit Material aus hochwertigen Bildbänden. Wir alle treten darauf herum; keiner soll sich seine Hände in Unschuld waschen. Wir sind Teil  eines politischen und sozialen Gemeinwesens mit allen Implikationen; es geht u. a. auch darum, dies immer wieder ins Bewusstsein zu heben.

 

 

 

Der Titel der Ausstellung stammt aus dem Mittelhochdeutschen: vundelinc hat die Bedeutung von etwas Gefundenem, einem Findling oder auch Findelkind.

 

© haru neidhardt ffm 2025