Der Katalog zur Ausstellung ist im Frankfurter axel dielmann-verlag erschienen und ist dort und im Handel für  25 €  erhältlich.

Ausschnitte der Ausstellung

Fotos: Mathias Braun


Im Kreislauf des Menschseins

 

 

Zu den Zeichnungen und Objekten des Künstlers Wolfgang Klee aus der Sammlung Becker

 

Von Alexandra Flieth (Kunsthistorikerin und Journalistin)

 

 

Wolfgang Klees Objekte aus Pappe, die er als „Papphabitate“ bezeichnet, scheinen auf den ersten Blick die Brutalität des Daseins zu spiegeln. Innerhalb geschlossener Räume tummeln sich Wesen mit menschlichen Zügen. Ihre Körper sind undefiniert, erinnern in Teilen an Würmer, die sich durch das Erdreich winden. Ihre übergroßen Augen blicken erschreckt auf das Geschehen, das ihnen in ihrem eigenen Lebensraumes begegnet. Angst drückt sich durch ihre geöffneten Münder aus, aber auch Erstaunen lässt sich hieraus ablesen. Erstaunen, das mit einer Form von Erkenntnis einherzugehen scheint.

 

Körperformen verschwimmen, Beine werden in ihren Verlängerungen zu erigierten Penissen, die sich in Körperöffnungen ihrer Mitbewohner drängen und diese penetrieren, aber auch Zungen schlängeln sich aus den Mündern heraus und nehmen einen anderen Körper damit ein – wie ein Parasit, der einen Wirt braucht, von dem er sich ernährt, um selbst zu überleben.

 

Hier und da gibt es eine Umkehrung: statt einer Zunge oder eines männlichen Glieds wandern Körperausscheidungen wie Kot und Ejakulat in Körperöffnungen hinein – vergleichbar mit Nahrung, die ebenfalls aufgenommen werden muss, um zu überleben. Die Werke von Wolfgang Klee spiegeln einerseits Vereinnahmung und Dominanz, anderseits aber auch die Suche nach Nähe und Geborgenheit wider.

 

Die Zeichnungen kommen gegenüber den Papphabitaten eher zurückgenommen, reduziert und fast abstrahiert daher. Häufig taucht das schwarze Bett oder die schwarze Liege auf, in dem seine Figuren wie Sterbende dahinsiechen. Der Tod ist präsent und auch als Teil des Lebenskreislaufes verbindend.

 

Klees Bildwelten sind zeitlos. Sie verbinden Vergangenes mit Gegenwärtigem und setzen individuelle Wahrnehmungen in einen größeren, gesellschaftlichen Kontext. Die Bildwelten von Wolfgang Klee können als eine künstlerische Suche nach der Essenz des Lebens interpretiert werden, als ein Kreislauf von Leben, Tod und Neubeginn, der sowohl gespickt ist von Wiederholungen und Rückschlägen als auch von Hoffnung darauf, dass das Leben sich zum Positiven wenden kann.